Worum geht es da überhaupt in der IPO Ausbildung?

IPO Ausbildung

… wir sagen es Ihnen!

Der IPO – Sport setzt sich aus drei Disziplinen zusammen.

  • Abteilung A = Fährtenarbeit
  • Abteilung B = Unterordnung
  • Abteilung C = der so genannte "Schutzdienst"

IPO– Prüfungen beinhalten alle drei dieser Disziplinen.

Grundsätzlich werden für diese Art von Hundesport einige Hunderassen bevorzugt. Hierzu zählen derzeit der Deutsche Boxer, der Deutsche Schäferhund, Malinois, Riesenschnauzer, Dobermann, Rottweiler, Hovawart, Airedale Terrier und der Bouvier des Flandres. Man spricht bei diesen Rassen auch von Gebrauchshunden oder Dienstgebrauchshunden. Diesen Rassen sind über Jahrzehnte hinweg körperliche und triebliche Eigenschaften angezüchtet worden, die für diesen Sport unbedingt notwendig sind. So wäre es beispielsweise einem Mops oder einem Dackel rein anatomisch überhaupt nicht möglich, so wie es die Internationale Prüfungsordnung vorschreibt, ein Apportierholz mit einem Gewicht von 650 Gramm über eine 1m hohe Hürde zu seinem Hundeführer zu bringen. Auch eignet sich nicht jeder Hund dazu, einen Scheintäter / Helfer zu verfolgen oder dessen nachgeahmten Angriff abzuwehren. Natürlich gibt es bei den verschiedenen Rassen immer Ausnahmen.

Je nach Alter und Ausbildungsstand des Hundes gibt es drei Schwierigkeitsstufen der IPO – Prüfung (IPO I-III). Um diese Prüfungen zu bestehen, muss in jeder Abteilung eine Mindestpunktzahl erreicht werden, insgesamt sind 100 Punkte pro Abteilung möglich. Auch wenn in Abteilung C immer wieder von Schutzdienst oder kurz SD die Rede ist, werden bei uns keines Falls Hunde auf Menschen abgerichtet oder "scharf gemacht". Einen bissigen Hund kann niemand gebrauchen und will auch keiner haben. Vielmehr geht es hier um Beutespiel, Beutetrieb und absoluten Gehorsam.

Aber dazu kommen wir später noch …

Fangen wir mit Abteilung A an - Die Fährtenarbeit oder Fährte

Grundsätzliches hierzu können Sie unter dem Punkt „Fährtenhundausbildung“ nachlesen. Der wesentlichste Unterschied zwischen Fährtenhund – Fährte und IPO – Fährte ist eigentlich die Länge der Fährte selbst. Ein Fährtenhund muss viel längere und anspruchsvollere Fährten suchen, und braucht daher viel mehr Ausdauer und Routine. Je nach Prüfungsstufe (I, II oder III) werden im IPO – Sport Fährten mit einer Länge von 300, 400 und 600 Schritt mit 2 und 3 zu findenden Gegenständen abgesucht. Auch die Winkelanzahl (Richtungswechsel der Fährte) unterscheidet sich entsprechend. Fährtenarbeit erfordert grundsätzlich viel Fleiß, ist aber auf jeden Fall eine schöne und absolut geeignete Form um den Hund sinnvoll zu beschäftigen.

Es folgt Abteilung B - Die Unterordnung

Unterordnung IPO

Hier werden, wie bei der Begleithundprüfung, zunächst Gehorsamsübungen wie Sitz, Platz und bei Fuß gehen gezeigt. Alle Übungen in der IPO I, II & III werden in der Freifolge, also ohne Leine, geführt. Im Anschluss hieran sind jedoch noch einige weitere Übungen zu zeigen.

Beispielsweise wird der Hund jetzt nicht nur in sitzender oder liegender Position zurückgelassen, sondern er muss auch auf Kommando aus dem Gehen oder Laufen heraus stehend zurückbleiben (IPO II & III). Das bedeutet, der Hund soll auf Kommando „Steh“ sofort anhalten und stehen bleiben, während sich sein Führer ohne anzuhalten weiter entfernt.

Danach muss der Hund verschiedene „Apportierübungen“ ausführen. Das bedeutet, er muss einen Gegenstand (das so genannte Apportierholz oder Bringholz) auf Kommando zu seinem Hundeführer bringen und sich damit vor ihn setzen. Man macht diese Übung drei Mal. Zwei Mal hiervon muss der Hund das Holz über ein Hindernis hinweg bringen. Das erste Hindernis ist eine 1 m hohe starre Hürde, die der Hund möglichst ohne das obere Brett zu berühren überspringen soll. Das zweite Hindernis ist die 1,80 m hohe Schrägwand. Hier kann der Hund natürlich nicht einfach drüber springen. Vielmehr klettert er an ihr hoch, deswegen wird diese Schrägwand auch „Kletterwand“ genannt.

Abgeschlossen wird die IPO Unterordnung mit dem „Voraussenden des Hundes“. Hierbei hat sich der Hund auf Kommando vom Hundeführer zu entfernen. Das heißt, der Hundeführer zeigt seinem Hund die Richtung an, in die er dann schnell und gradlinig laufen soll, bis er ein Platzkommando erhält. Er sollte also aus dem Laufen heraus möglichst schnell anhalten und sich hinlegen, bis er von seinem Hundeführer dort abgeholt wird.

Um das Verhalten des Hundes gegenüber anderen Hunden zu neutralisieren, führen wir in regelmäßigen Abständen Gruppenübungen durch. Bei diesen Übungen stehen das soziale Verhalten des Hundes und die entspannte Atmosphäre im Vordergrund.

Abteilung C - Der Schutzdienst oder auch kurz SD

Schutzdinst IPO

Neben Fährte und Unterordnung stellt der Schutzdienst die 3. Komponente in der Gebrauchshundeausbildung dar. Viele Leute, die zum ersten Mal in ihrem Leben einen Hund im Schutzdienst arbeiten sehen, empfinden diese Art der Ausbildung als sehr bedrohlich und nicht selten hört man - „Ich möchte meinen Hund aber nicht auf Menschen abrichten“ - Erst durch mehrfaches Beobachten von verschiedenen Übungsstunden und Erklärungen durch die aktiven Hundeführer wird deutlich, dass der Schutzdienst alles Andere ist, als das Abrichten eines Hundes auf Menschen.

Vielmehr stellt er eine sinnvolle Alternative dar, um unsere Boxer auszulasten, zu fordern und zu fördern. Natürlich ist der Schutzdienst im Ursprung auf die Diensthundeausbildung zurückzuführen, bei der Diensthunde bis heute gezielt auch „gegen“ Menschen eingesetzt werden. An dieser Stelle muss ganz deutlich zwischen Dienst- und Sporthund unterschieden werden.

Wenn wir mit unseren Sporthunden mit der Schutzdienstausbildung beginnen, steht immer der Beutetrieb des Hundes im Vordergrund, d.h. egal in welchem Alter die Ausbildung im Schutzdienst beginnt, wird der Hund auf ein Beuteobjekt geprägt, das er unbedingt haben möchte. Bei Welpen oder jungen Hunden besteht diese Beute z.B. aus einem Lederlappen oder einem Jutesack. Der unbewegliche Lappen alleine weckt jedoch nicht das dauerhafte Interesse des Hundes. Die Beute muss sich bewegen, damit sie interessant wird.

Für das Leben in der Beute ist der so genannte Schutzdienst-Helfer oder Figurant zuständig. Dieser bewegt die Beute, macht sie dem Hund streitig und führt „Ziehspiele“ durch. Hunde mit einem ausgeprägten Spiel- und Beutetrieb lernen dieses Spiel mit dem Helfer sehr schnell und ziehen schon nach kurzer Zeit beim Anblick des Helfers, der meistens männlich ist und mit einer Schutzhose bekleidet ist, auf den Platz. Diese Art des Aufbaus wird eine ganze Weile durchgeführt, wobei der Hund immer als Sieger mit der Beute vom Platz gehen darf. Wenn der Hund reifer und stärker wird kommt langsam die Umstellung von der Beute „Lappen“ auf die neue Beute „Ärmel“.

Wenn unser Hund gelernt hat, den Schutzarm (Ärmel) sicher festzuhalten beginnen wir mit dem nächsten Schritt. Der Hund lernt seine Beute auch unter Belastung seitens des Helfers sicher festzuhalten. In der Prüfung wird diese Belastung mit Hilfe angedeuteter Schläge eines Softstockes (der Stock ist gepolstert) überprüft. Im Aufbau wird zunächst über den Kopf des Hundes gestreichelt oder Schläge mit der Hand angedeutet. Hierbei zeigt sich schnell, welche Hunde ein dünnes Nervenkostüm haben und ihre Beute lieber dem Helfer überlassen und welche sich auf das etwas härtere Spiel mit dem Helfer einlassen und die Beute festhalten.

Aber auch erstgenannte Hunde lernen mit der Zeit die veränderten Spielregeln. An dieser Stelle zeigt sich, dass der Schutzdienst nicht nur unsere Hunde sinnvoll beschäftigt sondern auch ihre nervliche Belastbarkeit stärkt, was sich für verschiedene Situationen im Alltag positiv auswirken kann. Unser Hund hat nun gelernt die Beute „Ärmel“ auch bei Belastung festzuhalten und das er zusammen mit dem Hundeführer ein starkes Team gegen den Helfer bildet.

Als letzte Hürde zum Schutzhund steht noch der Gehorsam. Dies ist der schwierigste Teil im Schutzdienst, der von Hundeführer und Helfer viel Fingerspitzengefühl abverlangt und sich aus folgenden Teilübungen zusammensetzt

  • Fuß gehen
    - links vom Hundeführer, in der Freifolge
  • Streife nach dem Helfer
    - Umlaufen von Verstecken und Suche nach dem Helfer
  • Bei Auffinden des Helfers Anzeigen durch Verbellen
    - ohne den Helfer zu berühren
  • Nur nach der Beute greifen, wenn diese sich bewegt oder flieht
    - wenn der Helfer steht, muss der Hund die Beute los lassen

Nicht nur die Gehorsamsübungen zeigen, dass die Schutzdienstarbeit KEIN Abrichten auf Menschen, sondern für den Hund ein Spiel ist, für das er körperlich und geistig geeignet sein muss. Vor jeder Prüfung steht eine Unbefangenheitsprobe des Hundes, die der amtierende Leistungsrichter durchführt. Die Unbefangenheitsprobe zieht sich durch alle Abteilungen und Prüfungsstufen. Hunde, die hier Leute anknurren oder gar beißen werden zur Prüfung nicht zugelassen.

Nicht selten hört man von ausgebildeten Hunden, die in Prüfungen hohe Punktzahlen im Schutzdienst erreichen und zuhause den Einbrecher schwanzwedelnd begrüßen.